Seid fruchtbar und mehret euch, aber nicht wie die Karnickel

Mira: Unser Papst ist so erfrischend ungezwungen und stößt wohl wieder mal viele vor den Kopf.
Andi: Er bekennt sich zu verantworteter Elternschaft und zur Notwendigkeit der Empfängnisverhütung.
Mira: Meine Mutter sagt, ohne künstliche Empfängnisverhütung hätte ich 15 Geschwister. Als meine Eltern für ein weiteres Kind bereit waren, habe sie es mit Schleimprüfung und Fieberthermometer versucht, um die natürliche Methode zu testen. Es dauerte keine zwei Monate, da war sie wieder schwanger. Ihre Freundin dagegen hatte einen so regelmäßigen Zyklus, dass diese Form der Verhütung wunderbar funktionierte.
Andi: Sexualität darf nicht von der Offenheit fürs Kind getrennt werden. Fortpflanzung ist nun mal der natürliche Zweck der Sexualität, so die Lehre der Kirche.
Mira: Aber doch nicht nur! Das wär mir zu einseitig, ja zu primitiv. Wo bleibt da die Liebe?! Außerdem macht Sex Spaß! In meiner Generation verbieten wir uns moralische Miesepeterei.
Andi: Sexuelle Lust war besonders der kirchlichen Sexualmoral lange verdächtig, sexuelle Enthaltsamkeit galt dagegen als Tugend per se. Die eher leibliche Form der Liebe wurde nicht kultiviert und integriert. Oft genug kam es zur Abspaltung und zu einem heuchlerischen Doppelleben.
Mira: Nur wenige Katholiken kümmern sich noch um die Lehre der Kirche in punkto Sexualität. Da ist der Zug längst abgefahren. Wir sind da viel unbefangener und freier dank der Verhütungsmittel.
Andi: Seid ihr auch liebevoller im Umgang mit euren Partnern und euch selbst? In der sogenannten Spaßgesellschaft werden Sexualität und Genüsse aller Art gerne zum Lebenssinn erklärt, auf Kosten der Herzensnähe, einer eher geistigen Form der Liebe. Das andere Extrem!
Mira: Die Kehrseite der früheren Miesepeterei also? Was wäre deiner Meinung nach der richtige Weg?
Andi: (Geistige) Herzensnähe und (leibliche) sexuelle Liebe müssen gemeinsam wachsen. Nur dann sind sie tragfähig. Schließlich ist der Mensch sowohl ein geistiges, als auch ein leibliches Wesen. Geist und Leib beschenken einander und finden nur gemeinsam wahre Erfüllung. Solche Liebe ist von Gott gesegnet und besteht auch in Krisen. Eine verantwortungsvolle, innige und zugleich lustvolle Liebe zwischen Partnern ist aus sich selbst heraus wertvoll.
Mira: Ich habe etwas verstanden: Sexualität darf nicht von der Liebe getrennt werden. Die Liebe ist das entscheidende Kriterium.
Andi: Der Kinderwunsch muss genau so vor der Liebe verantwortet werden wie die Verhütung.
Mira: Du sprichst, wie ich dich kenne, vom Hauptgebot der Liebe?
Andi: Ja, von der untrennbaren Dreiheit des Liebesgebots. Was der Liebe dient– das ist der Schlüssel! – und zwar der Liebe zu Gott, zu den Menschen und zu sich selbst.
Mira: Vor allem die Liebe zum Kleinsten und Schwächsten, zum Kind, muss den möglichen Eltern in den Blick kommen. Wird es in eine fürsorgliche Umgebung eingebunden? Können seine materiellen Grundbedürfnisse voraussichtlich gestillt werden? Wer hilft mit?
Andi: Auch Angst vor der Verantwortung und andere Bedenken müssen ernst genommen werden. Die Entscheidung für oder gegen ein Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt ist die eigentliche Frage, die eigentliche positive Herausforderung für das mögliche Elternpaar.
Mira: Wer verhütet, ist zu diesem Zeitpunkt nicht offen für ein Kind, selbst wenn eine grundsätzliche Offenheit besteht. Ich verstehe einfach nicht, warum in diesem Fall ein Kondom unmoralischer sein soll als die sogenannten natürlichen Verhütungsmethoden. Hundertprozentig sicher ist schließlich keine Methode. Stellt sich ein Kind ein, sollte das Paar es trotzdem annehmen können. Darum geht’s doch!
Andi: Ja, um diese grundsätzliche Achtung vor dem Leben! Die Art und Weise der Empfängnisverhütung spielt eine nachrangige Rolle, solange sie der Liebe dient und niemandem schadet.

Mira schrieb nach diesem Gespräch in ihr Tagebuch:
Sexualität soll nicht von der Liebe getrennt werden.
Die Entscheidung für oder gegen ein Kind muss der Liebe dienen, ebenso die Wahl der Verhütungsmittel.

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2 Gedanken zu „Seid fruchtbar und mehret euch, aber nicht wie die Karnickel

  1. Sonja Bachl

    Ich finde die Dialoge zwischen Mira und Andy sehr spannend! Manchmal habe ich jedoch den Eindruck, dass heuzutage viele Menschen nicht mehr zu echter Nähe fähig sind und zur Verantwortung, wie Ansy meint. Das ist eben so in einer durchsexuyalisierten Gesellschaft, wo Sexualität nicht zwangsläufig mit Liebe zu tun hat.
    Zu dem Buch „Die unmöglichen Nonnen von Sant´Ambrogio“ kann ich nichts sagen, weil ich das Buch nicht kenne. Mystische Erfahrungen können sehr unterschiedlich sein und auch intim.

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